EMS-Training: Von der medizinischen Anwendung zum modernen Ganzkörpertraining

Von Ute Paul

21. August 2024

Heute begegnet uns EMS-Training in Fitnessstudios, Personal-Training-Studios und im Leistungssport. Das Training mit elektrischen Impulsen wirkt auf den ersten Blick wie eine vergleichsweise junge Entwicklung. Die Grundidee dahinter ist allerdings deutlich älter. Elektrische Reize werden schon seit vielen Jahrzehnten genutzt, um Muskeln gezielt zu aktivieren. Ihren Ursprung hat die Methode vor allem in Medizin und Forschung. Erst später wurde daraus eine Trainingsform, die auch im Fitnessbereich eingesetzt wird.

Doch wie kam es zu dieser Entwicklung?

Was bedeutet EMS eigentlich?

EMS steht für Elektromyostimulation oder elektrische Muskelstimulation. Dabei werden über Elektroden elektrische Impulse an die Muskulatur abgegeben. Diese Impulse lösen Muskelkontraktionen aus beziehungsweise verstärken sie. Beim heutigen Ganzkörper-EMS, häufig auch WB-EMS – Whole-Body Electromyostimulation genannt, werden mehrere große Muskelgruppen gleichzeitig stimuliert. Das Training besteht dabei nicht einfach darin, passiv Stromimpulse zu erhalten. In der Regel führt die trainierende Person gleichzeitig Bewegungen oder Übungen aus. Die elektrische Stimulation ergänzt somit die willentliche Muskelarbeit.

Die Ursprünge liegen in Medizin und Forschung

Elektrische Stimulation der Muskulatur wurde lange bevor es moderne EMS-Fitnessstudios gab bereits medizinisch und wissenschaftlich eingesetzt. Forscher nutzten elektrische Reize unter anderem, um die Funktion von Nerven und Muskeln besser zu verstehen. In medizinischen und rehabilitativen Zusammenhängen wurde die sogenannte neuromuskuläre elektrische Stimulation außerdem eingesetzt, um Muskelaktivität zu erhalten oder wieder aufzubauen. Das kann beispielsweise dann relevant sein, wenn Muskulatur aufgrund von Verletzungen, Erkrankungen oder eingeschränkter Bewegungsmöglichkeit nicht ausreichend willentlich aktiviert werden kann. Die elektrische Muskelstimulation war also ursprünglich kein Fitnesstrend, sondern ein Instrument aus Medizin, Physiologie und Rehabilitation.

Vom medizinischen Einsatz in den Sport

Mit zunehmender Erforschung der Methode entstand auch im Sport Interesse an elektrischer Muskelstimulation. Insbesondere ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde untersucht, ob elektrische Impulse zusätzlich zum normalen Training Kraft und sportliche Leistungsfähigkeit beeinflussen können. In diesem Zusammenhang wird häufig auf Experimente im ehemaligen sowjetischen Leistungssport verwiesen. Wichtig ist allerdings, daraus keine einfache Erfolgsgeschichte abzuleiten. Die damaligen Trainingsmethoden unterschieden sich teilweise erheblich vom heutigen Ganzkörper-EMS. Außerdem wurde EMS im Sport über viele Jahre hauptsächlich lokal an einzelnen Muskelgruppen angewendet. Trotzdem war diese Phase wichtig für die weitere Entwicklung: Elektrische Muskelstimulation wurde zunehmend nicht mehr ausschließlich als therapeutisches Verfahren betrachtet, sondern auch als mögliche Ergänzung sportlichen Trainings.

Technischer Fortschritt macht Ganzkörper-EMS möglich

Ein entscheidender Schritt erfolgte mit der Weiterentwicklung der Geräte und Elektroden. Frühere Systeme waren vergleichsweise aufwendig und beschränkten sich häufig auf einzelne Muskelgruppen. Moderne EMS-Systeme ermöglichen dagegen, mehrere große Muskelgruppen gleichzeitig anzusteuern. Spezielle Westen, Gurte oder Elektrodenanzüge übertragen die Impulse beispielsweise auf Beine, Gesäß, Bauch, Rücken, Brust und Arme. Dadurch entstand das heute verbreitete Ganzkörper-EMS-Training. Parallel wurden die Geräte kompakter, die Steuerungsmöglichkeiten präziser und die Trainingsprogramme individueller anpassbar.

Damit wurde EMS auch außerhalb medizinischer Einrichtungen praktikabler.

Wie funktioniert modernes EMS-Training?

Beim heutigen Ganzkörper-EMS werden elektrische Impulse mit aktiven Übungen kombiniert. Während einer Trainingseinheit werden beispielsweise Kniebeugen, Ausfallschritte oder Bewegungen für Rumpf und Oberkörper ausgeführt. Der Trainer oder die Trainerin kann die Intensität der elektrischen Impulse für verschiedene Körperregionen individuell einstellen. Dadurch lässt sich das Training an Leistungsstand und Trainingsziel anpassen. Ein wesentlicher Unterschied zum klassischen Krafttraining liegt darin, dass mehrere große Muskelgruppen gleichzeitig stimuliert werden können. Das macht EMS vor allem für Menschen interessant, die ein kompaktes und betreutes Krafttraining suchen.

Ist EMS wirklich effektiver als klassisches Krafttraining?

Hier lohnt sich ein differenzierter Blick. Studien zeigen, dass elektrische Muskelstimulation grundsätzlich Kraft und Muskelaktivität verbessern kann. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass EMS klassischem Krafttraining überlegen ist. Eine systematische Übersichtsarbeit und Meta-Analyse verglich neuromuskuläre elektrische Stimulation mit klassischem Krafttraining bei vergleichbarem Trainingsumfang. Dabei zeigte sich hinsichtlich der Kraftentwicklung kein eindeutiger Vorteil einer der beiden Trainingsformen.

EMS kann also wirksam sein – aber die Aussage, es sei grundsätzlich „besser“ als konventionelles Krafttraining, lässt sich wissenschaftlich nicht pauschal treffen. Auch beim Ganzkörper-EMS zeigen Studien positive Effekte, beispielsweise auf Kraft und bestimmte Leistungsparameter. Die Ergebnisse hängen jedoch unter anderem von Trainingsprogramm, Zielgruppe und Belastungssteuerung ab.

Warum dauern EMS-Einheiten häufig nur etwa 20 Minuten?

Ein bekanntes Merkmal von Ganzkörper-EMS ist die relativ kurze Trainingsdauer. Viele Trainingskonzepte arbeiten mit Einheiten von ungefähr 20 Minuten. Der Grund dafür liegt vor allem darin, dass zahlreiche Muskelgruppen gleichzeitig beansprucht werden und die zusätzliche elektrische Stimulation eine hohe Trainingsintensität erzeugen kann. Die kurze Dauer sollte allerdings nicht mit einem einfachen Versprechen wie „20 Minuten EMS ersetzen eine Stunde normales Training“ gleichgesetzt werden. Beide Trainingsformen unterscheiden sich in Belastungsart und Trainingsgestaltung. Die Stärke von EMS liegt vielmehr darin, dass sich ein intensiver muskulärer Trainingsreiz innerhalb einer kompakten, betreuten Einheit setzen lässt.

EMS ist heute deutlich professioneller geregelt

Mit der zunehmenden Verbreitung des Ganzkörper-EMS wurde auch die Bedeutung einer fachgerechten Anwendung immer deutlicher. Denn EMS ist kein Training, bei dem nach dem Prinzip „viel hilft viel“ gearbeitet werden sollte. Zu hohe Intensitäten oder eine unzureichende Eingewöhnung können den Körper stark belasten. Deshalb haben sich in den vergangenen Jahren Standards für Trainerqualifikation, Belastungssteuerung und Anwendung weiterentwickelt. Auch wissenschaftliche Empfehlungen zu möglichen Kontraindikationen wurden inzwischen überarbeitet und differenzierter gestaltet. Aktuelle deutsche Konsensempfehlungen berücksichtigen dabei sowohl neue Forschungsergebnisse als auch die inzwischen stärkere Regulierung und Ausbildung im Bereich Ganzkörper-EMS.

Für wen kann EMS interessant sein?

EMS kann eine Möglichkeit für Menschen sein, die

  • ihre Muskulatur gezielt kräftigen möchten,
  • wenig Zeit für längere Trainingseinheiten haben,
  • ein betreutes Training bevorzugen,
  • Abwechslung zum klassischen Krafttraining suchen oder
  • aufgrund ihrer persönlichen Situation eine individuell anpassbare Trainingsform benötigen.

Ob EMS für eine bestimmte Person geeignet ist, sollte jedoch individuell betrachtet werden. Bei bestimmten Erkrankungen, Beschwerden oder besonderen gesundheitlichen Situationen sollte vor Trainingsbeginn geklärt werden, ob und unter welchen Bedingungen EMS sinnvoll ist.

Vom medizinischen Verfahren zur modernen Trainingsmethode

Die Geschichte des EMS-Trainings zeigt, wie sich eine ursprünglich medizinisch und wissenschaftlich genutzte Technologie über Jahrzehnte weiterentwickelt hat. Aus der gezielten elektrischen Aktivierung einzelner Muskeln entstanden Anwendungen in Rehabilitation und Sport – und schließlich das heutige Ganzkörper-EMS. Moderne Technik ermöglicht inzwischen ein kompaktes, individuell steuerbares Training mehrerer Muskelgruppen gleichzeitig. Dabei sollte EMS weder als Wundermethode noch als vollständiger Ersatz für jede andere Form von Bewegung verstanden werden. Es ist vielmehr eine mögliche Form des Krafttrainings, die – richtig dosiert und professionell betreut – sinnvoll in ein individuelles Trainingskonzept integriert werden kann.

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Gerne zeige ich Ihnen bei einem persönlichen Probetraining, wie eine EMS-Einheit abläuft und wie sich die Intensität individuell an Ihre Voraussetzungen und Ziele anpassen lässt.

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